Die Christengemeinschaft
Bewegung für religiöse Erneuerung

WAS WILL DIE CHRISTENGEMEINSCHAFT?


Eine Folge in täglich kurzen Abschnitten von lic. Emil Bock 1959 verfasst:


1. Teil: 21.12.17
Das Christentum ist keine neue Lehre. Es ist auch kein neues Moralsystem. Es ist eine neue Kraft, die aus einer höheren Welt in unsere Welt hereinströmen möchte, dafür aber offene, fromme Menschenherzen braucht.

2. Teil: 22.12.17
Voraussetzung dafür, dass es ein echtes Christsein in der Menschheit gibt, ist Frömmigkeit. Wie steht es mit der Frömmigkeit heute? Wir leben in einem Zeitalter, in welchem die Frömmigkeit stirbt. Das ist nicht nur in den Kreisen der Fall, die den Kirchen entfremdet sind, dieses Ersterben der christlichen Frömmigkeit geht heute weit in das Kirchenvolk hinein. Kirchlichkeit ist noch längst nicht christliche Frömmigkeit. Die Zustände, in die der moderne Mensch hineingekommen ist, der Zustand der Zerstreuung, andererseits die vielen Verkrampfungen in der Seele, die nervöse Unruhe, die Oberflächlichkeit, alles Resultate der modernen Zivilisation, auf die wir doch so stolz sein dürfen, sie bringen die Frömmigkeit in der zum verdorren. Eine venöse Seele kann eigentlich nicht fromm sein. eine Oberflächliche Seele erst recht nicht. Der Mensch ist an die Peripherie des Lebens gedrängt. Er ist aus dem Mittelpunkt seinen Wesen herausgefallen. Er hat seine eigene Tiefe vergessen und verloren. So ist eine weltgeschichtliche Ebbe in der Geschichte der Frömmigkeit eingetreten. 
Es ist notwendig, dass dies einmal schonungslos eingesehen wird. 

3. Teil  23.12.17

"Die verlorene Frömmigkeit": "Denken wir an die hohen Zeiten in der christlichen Geschichte. Was gab es für Wunder der Frömmigkeit in den frühchristlichen Jahrhunderten, in den ersten Zeiten des christlichen Mönchstum, in den Zeiten der Kreuzzüge, schliesslich auch noch, um wenigstens ein Beispiel aus späteren Jahrhunderten zu nennen, in den Anfängen des schwäbischen Pietismus. Wie war da die Seelen warm vor Frömmigkeit! Wie glühten sie, einbrannten sie im Feuer der Frömmigkeit! Wie kalt ist alles geworden! Aber gerade an diesen Hoch-Zeiten christlicher Frömmigkeit können wir sehen dass es nicht bloss die Schuld dieser oder jener Menschen ist, das die Frömmigkeit ihre Ebbe erfuhr. Jene besonderen Zeiten des christlichen Frommseins zehrte und gebeten von der Kindlichkeit, die die Menschheit von Natur noch hatte. Da waren die Seelen noch lockerer und offener. Indem die Kindlichkeit in der Menschheit verloren ging - und sie musste ja verloren gehen - , ging die Frömmigkeit mit verloren."

4. Teil 24.12.17

"Die Menschheit musste eine Entwicklung durchmachen, durch die schliesslich der heutige Zustand entstanden ist, das die Menschen mehr Kopf- als Herz-Menschen sind. Das war notwendig, weil die Menschheit in eine Bewusstseins- Entwicklung hinein musste, durch welche die Seele immer wacher und wacher wurde. Und der Schatten der Bewusstheit ist die Unrast und Leere der Seelen. In Bezug auf die Innerlichkeit, die Frömmigkeit, ist die Menschheit an einen Tiefpunkt, ja an einen Nullpunkt gekommen und hat sich damit, ohne es recht zu merken, an den Rand des Abgrundes vorgewagt." [...]

5. Teil  29.12.17

"Nun kommen die Gefahren von aussen. Noch ist es nicht lange her, die Mission, die die christliche Botschaft nach Asien und Afrika trug, ganz im Vordergrund der zivilisatorischen und kulturellen Bemühungen stand. Heute ist es umgekehrt: indische mohammedanische, ja in politischer Form russisch-chinesische Strömungen wollen hier Mission treiben. Man sieht immer in diesen Strömungen, die sich da gegen Europa verbünden, politische Strömungen. In Wirklichkeit handelt es sich um geistige, und zwar um solche, die besser wissen, was sie wollen, als die Träger des Geisteslebens momentan in Europa es wissen. Und es ist eine Kurzsichtigkeit, wenn man meint, es genüge, diese hereindrängenden gegnerischen Strömungen als bloss politisch abzuwehren." (Das sagt E. Bock 1959!)

6. Teil:  3.1.18

(Zuerst eine Anmerkung der Administratorin dieser Seite, Marina G.G.: Wer sich an dem Wort Frömmigkeit stösst, welches in unserer Zeit vielleicht befremdlich tönen mag, kann es auch durch "Wahrhaftig lebendige Verehrungskräfte, Ehrfurchtskräfte, Gebets-und Meditationskräfte" ersetzen. Die Begrifflichkeit muss heute manchmal neu gefasst werden, das setzt innere Beweglichkeit und auch neues Empfinden für gewisse Worte voraus.)

 "Wo stossen wir denn auf das Christentum [hier in Europa]? Ich meine nicht auf Mitglieder irgend einer Kirche, sondern wo stossen sie [die Strömungen vom Osten] auf die Gegenkraft auf die Substanz christlicher Frömmigkeit, die auch dann gilt, wenn gar nicht gesprochen oder gehandelt wird.[...] Man glaubt an die Atombombe, aber man ist weit davon entfernt, einen christlichen Glauben zu haben. Da wo wirklicher christlicher Glaube ist, hat die gegnerische Strömung bereits den Kampf verloren. [...] Es wäre auch vermessen bei dem Schwund der Substanz auf dem Frömmigkeitsfelde, heute schon wieder zu glauben."

7. Teil  5.1.18

 "ERSTER BLICK AUF DAS NEUE: 
So muss gesagt werden: zunächst ist das Erste und Wichtigste, was sich die Christengemeinschaft zum Ziele setzt, Frömmigkeit anzupflanzen. Pflanzstätten des Stillseins, der inneren Ruhe-Kraft, der Innerlichkeit sollen entstehen, Pflanzstätten, wo die Kunst des Betens neu erlernt und in die Welt eingebaut wird. Deswegen ist die Christengemeinschaft in die Welt getreten. Kultus und Sakrament sind das Herz des in der Christengemeinschaft gepflegten religiösen Lebens. Sie ist eine Schule der Andacht, eine solche der Sammlung, der wahren Einkehr, bei der das Herz spricht. Der Kopf braucht dabei nicht zu Schweigen."

8. Teil   16.1.18 
"Wir sind uns bewusst, dass das zunächst nur im Kleinen und im Stillen geschehen kann: Geduldiges Pflanzen auf dem steinigen Grund unserer Zeit, mitten im modernen Leben und Denken. Nicht dass ein frommes Gesicht die Sache schon machen kann. Nein, gemeint ist die Frömmigkeit einer solchen Ruhe- und Halte-Kraft der Seele, die auch jederzeit mit Freude, Humor und Wagemut verbunden ist. Ein neues Herz-Menschentum braucht die moderne Welt, um wieder Seele zu bekommen."